Geschichte der Schere

Über die Datierung und Erscheinungsform der ersten Schere ist man sich in der Literatur nicht ganz einig. Auch ob man den gleichzeitigen Gebrauch zweier Klingen als Vorstufe zur heutigen Schere betrachten kann, ist zweifelhaft. Erst als man zwei Messerklingen an ihren Enden verband, auch Endgelenkschere genannt, kann man von einer primitiven Grundform der Schere sprechen. Der Gebrauch einer solchen Endgelenkschere war sehr mühsam und auch nicht unbedingt praktisch. Da man diese Art Schere mit beiden Händen bedienen musste, brachte sie nicht unbedingt eine wesentliche Arbeitserleichterung. In der jüngeren Eisenzeit in Europa, 5.-1. Jahrhundert v. Chr., auch La Tene Zeit* (* La Tene ist eine bedeutende archäologische Fundstelle am Nordostende des Neuenburger Sees in der Schweiz) genannt, tauchte immer häufiger eine Scherenform auf, die auch heute noch in den unterschiedlichsten Bereichen ihre Anwendung findet, die Bügelschere. Durch die weit über ihre Grenzen für ihre Schmiedekunst und Eisenerzgewinnung bekannten Kelten, welche in Europa von ca. 450 v. Chr. bis etwa 100 v. Chr. lebten, fand die Bügelschere ihre Verbreitung in den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Denn erst durch die Verfügbarkeit von unterschiedlichen Eisenlegierungen (Stahl) war es möglich die hintere Verbindung einer Bügelschere so zu schmieden, dass sich die Schere nach dem Zusammendrücken wieder durch die entstandene Spannung, wie bei einer Feder, von alleine öffnete. Eine besondere Form der Bügelschere kommt aus China aus der Zeit der Tang Dynastie (618-907). Diese Scheren wurden am hinteren Ende mit gekreuzten Halmen geschmiedet, um die Spannkraft zu erhöhen. Bügelscheren findet man auch heute noch im Einsatz zur Schafschur, in Schneidereien und auch in Glasbläsereien zum Abschneiden zähflüssiger Glasstränge. In Japan werden spezielle Bügelscheren bei der Zubereitung von Sushi oder zur Bonsaipflege benutzt. Die heute in den unterschiedlichsten Formen und Anwendungsbereichen übliche Schere, Gelenkschere, fand erst ab dem 10. Jahrh. n.Chr. ihre Verbreitung. Erst ab dem 14. Jahrh. fand die Gelenkschere als Standardwerkzeug Zugang zu den unterschiedlichsten Handwerksbereichen. Die ersten verzierten Scheren wurden im 16. Jahrhundert produziert. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurden immer mehr Scheren für spezielle Tätigkeiten entwickelt. Bis zur heutigen Zeit wurde die Gelenkschere in Form und Material ständig weiterentwickelt. Die heutigen Scherentypen für spezielle Verrichtungen, wie z.B. Haarscheren, sind ausgesprochene High Tech Werkzeuge. Die Formgebung und die Herstellungsmaterialien sind das Ergebnis langjähriger Entwicklungsarbeit.

Scherenarten 

In den verschiedenen Berufszweigen und für die unterschiedlichsten Tätigkeiten sind im Verlauf der Zeit eine Reihe von speziellen Scherentypen entwickelt worden. Als Beispiel seien hier nur einige genannt:

  • Sattlerschere; eine spezielle Schere zum Zerteilen von schweren Stoffen und Leder.
  • Haushaltschere; eine Allroundschere für den Haushalt.
  • Tapetenschere; eine unverzichtbare Spezialschere für das Malerhandwerk.
  • Papierschere; die Schere zum Zertrennen von Papier und Pappe.
  • Nagelschere; eine spezielle Schere für die Maniküre und Pediküre.
  • Geflügelschere; unverzichtbares Hilfsmittel in der heimischen Küche oder Gastronomie.
  • Gartenschere; eine sehr robuste Schere mit der man auch kleiner äste abschneiden kann.

Profischeren: Die kleine Materialkunde  

Als Material bieten sich für Friseurscheren vor allem harte, rostfreie Stahllegierungen.  

Neben Edelstahl kommt wegen seiner besonderen Langlebigkeit auch Kobalt zum Einsatz. Der Härtegrad einer guten Schere sollte um die 60 Rockwell — so heißt die dazugehörige Maßeinheit — liegen. Nur harte Klingen aus hochwertigem Material lassen sich außerdem nachschärfen. Denn anders als normale Hand- oder Haushaltsscheren sind Friseurscheren extrem scharf, was sowohl die Haare schont als auch die Gelenke der Haarschneideprofis entlastet. Je nach Einsatzbereich haben die Haarscheren selbstverständlich spezielle Formen und Größen.  

Optisch interessant werden Haarschneidescheren durch Farb-, Titan- oder Kunststoffbeschichtungen. Solche Beschichtungen ermöglichen aber nicht nur interessante Design- und Finish-Optionen, sondern können auch für Kontaktallergiker Erleichterung bieten.  

Aufbau einer Haarschere

Die moderne Haarschere ist ein reines, sehr aufwendig hergestelltes High Tech Produkt. Sie besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlichen, einzeln gefertigten Teilen, welche mit sehr großer Sorgfalt zu einer fertigen Haarschere zusammengefügt werden. Dies geschieht unter ständiger Kontrolle der Materialqualität und Fertigung. Sie unterscheiden sich in Form, Gewicht, Größe, Fertigungsart und Stahlqualität. Die Form einer Haarschere ist stark abhängig vom Design, der Handhabung und ihrer ergonomischen Ausrichtung. Sehr wichtig ist die Formgebung und Zustand der Scherenaugen. Diese sollten so geformt und bearbeitet sein, dass auch nach längerem Schneiden die Hand nicht ermüdet oder schmerzt. Bei der Herstellung einer Haarschere unterscheidet man zwei unterschiedliche Produktionsarten, die gestanzte und die geschmiedete Haarschere. Das traditionelle Herstellungsverfahren ist das Schmieden. Da dieses Verfahren jedoch aufwendiger ist als das Stanzen von Scheren, sind die geschmiedeten Scheren teurer. Die Verfahren zur Herstellung von gestanzten Scheren haben sich aber in den letzten Jahren so verbessert, dass sie den Vergleich mit geschmiedeten Scheren nicht scheuen brauchen. Die wichtigste Herstellungskomponente bei einer Schere ist die Stahlqualität. Je höher die Stahlqualität desto länger ihre Schneidleistung. Fast alle im Handel befindlichen Scheren werden aus rostfreiem Edelstahl gefertigt. Geschmiedete Scheren bestehen aus kohlenstoffhaltigem Stahl. Diese Stahlsorte kann mit der Zeit rostig und fleckig werden. Um dies zu verhindern werden die meisten Scheren mit einer Chrom- oder Nickeloberfläche versehen. Die im Handel befindliche Haarschere wird in vier Gruppen aufgeteilt.

  • Haarschneideschere
  • Effilierschere
  • Modellierschere
  • Strukturschere
  • Die reine Haarschere hat zwei glatte Waten (Wate=Schneide der Schere).
  • Die Effilierschere ist beidseitig gezahnt.
  • Die Modellierschere ist nur einseitig gezahnt.
  • Der Gebrauch der Begriffe Effilierschere - beidseitig gezahnt - und Modellierschere - einseitig gezahnt -wird oft quer durch die Branche nicht korrekt verwendet.
  • Die Strukturschere könnte man auch als sehr grob einseitig gezahnte Modellierschere bezeichnen.
  • Die Länge einer Schere wird auch heute noch in rheinischen Zoll angegeben. (1 Zoll=26,15mm)
  • Die meisten Scherenhersteller haben ihren Sitz in der traditionsreichen Umgebung von Solingen. Solingen ist weltweit bekannt als die Traditionsstadt für qualitativ hochwertige Schneidwerkzeuge - Made in Germany.

Das Design und die Ergonomie Ihrer Haarschere  

Der Aufbau einer Friseurschere ähnelt dem einer gewöhnlichen Schere: Zwei Scherenblätter, eine bei Profimodellen oft verstellbare Scherenschraube in der Mitte, zwei Schenkel und zwei Augen. Einige Scherenmodelle haben an einem der Augen zudem einen Fingerhaken zur entspannteren Führung der Schere. Der Fingerhaken kann bei einigen Modellen abgeschraubt und ausgetauscht werden.  

Ergonomische Friseurscheren erkennt man u.a. an ihrer asymmetrischen Form. Sie entlasten die Gelenke, haben ein ausgewogenes Gewicht und liegen besonders gut in der Hand. Gerade beim Dauereinsatz ist der Komfort nicht zu unterschätzen. Bei der Auswahl der ergonomischen Scheren gilt es außerdem zu beachten, dass es sie in Varianten für Links- und Rechtshänder gibt.  

Die Scherenblätter oder die Schneidblätter der Friseurscheren können entweder besonders scharf und glatt sein oder eine sogenannte Mikrozahnung aufweisen. Glatte und scharfe Scheren gleiten leicht durchs Haar, während gezahnte Klingen eine höhere Kontrolle bieten und sich besonders für abstufendes Arbeiten eignen.  

Was diese unterschiedlichen Klingenausführungen betrifft, unterscheidet man hauptsächlich zwischen klassischen Friseurscheren, Slice-, Effilier- und Modellierscheren.  

Effilieren vs. Modellieren?  

Eine Effilierschere ist von einer Modellierschere sehr einfach zu unterscheiden. Bei der Effilierschere sind beide Scherenblätter gezahnt, bei einer Modellierschere aber ist nur eine Klinge gezahnt, während die andere glatt ist.  

Grundsätzlich haben beide Scherenmodelle die Funktion, ein besonders natürliches Schneideergebnis und weiche Übergänge zu ermöglichen. Voluminöse Stufenschnitte, sanftes Modellieren oder Volumenverringerung sind mit beiden zu erreichen. Doch ist eine Modellierschere etwas leichter zu führen und zu handhaben, während die Effilierschere nach mehr Erfahrung und Technik verlangt.  

Schauen wir uns die verschiedenen Profischeren-Typen einmal genauer an.  

Effilierscheren: dickes Haar und freche Kurzhaarschnitte  

Die charakteristische Einkerbung der Klingen auf beiden Seiten zeichnet eine Effilierschere aus. Diese Zahnung reduziert die Menge der abgeschnittenen Haare: Mit einem Schnitt erfasst eine Effilierschere nämlich nur etwa ein Drittel der bearbeiteten Strähne. Deshalb findet diese Scherenart immer dann Verwendung, wenn die Haare ausgedünnt werden sollen, also zur Reduktion des Haarvolumens.  

Da hier besondere Kunstfertigkeit gefordert ist, müssen die mit der Effilierschere zu bearbeitenden Haare unbedingt frisch gewaschen, frei von Produktrückständen und vollkommen trocken geföhnt sein; nur so kann das tatsächliche Volumen des Haares beurteilt und vorsichtig reduziert werden. Auf ein absolut exaktes Abteilen der Haare ist zudem zu achten — nur so wird ein akkurates Effilieren erreicht, und die Menge der ausgedünnten Strähnen bleibt kontrolliert. Bearbeitete Strähnen werden wieder festgesteckt. Man fängt stets an der kürzesten Stufe an und arbeitet sich bis zu den Spitzen vor. Und selbstverständlich wird je nach Haarschnitt am gesamten Kopf oder nur an bestimmten Stellen effiliert.  

Warum sollte jemand das Volumen seiner Haare reduziert sehen wollen? Vor allem die Verbindung aus dichten, dicken Haaren und bestimmten Haarschnitten kann ohne Effilieren zu glatt, zu perückenartig aussehen. Auch schweres, dickes Haar, das sonst nur flach herabhängen würde, lässt sich nach dem Effilieren besser stylen und wirkt dadurch voller.  

Feines und dünnes Haar, an richtiger Stelle effiliert, kann aber auch — besondere Technik und Schnitt immer vorausgesetzt — einen wahren Volumen-Boost erhalten. Ansonsten eignen sich Effilierscheren normalerweise nicht für feines Haar. Auch bei Naturwellen und Naturlocken sollte man genau wissen, welches Ergebnis gewünscht ist, sonst kann es hier schnell zu voluminös und unkontrollierbar werden.  

Bei Kurzhaarfrisuren mit fransiger Optik ist ebenfalls die Effilierschere gefragt. Exakte Schnitte und die Modellierung von Schnittübergängen hingegen verlangen nach anderen Scherenmodellen.  

Modellierscheren: weiche Übergänge und natürliche Ponyfrisuren  

Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich Modellierscheren dadurch von den Effilierscheren, dass sie nur auf einer Seite gezahnt sind und somit auch mehr Haare pro Strähne erfassen, nämlich etwa die Hälfte.  

Interessant bei Modellierscheren ist die verschiedene Gestaltung der Zahnung, die breiter und schmaler ausfallen kann und für verschiedene Schneideergebnisse sorgt. Auch erzielen gestanzte und geschmiedete Klingen unterschiedliche Resultate.  

Schnittübergängen, Stufenschnitten aber auch Herrenhaarschnitten wird mit der Modellierschere eine weichere Optik verliehen, daher auch der Name: Die Frisur wird mit dieser Haarschere modelliert, geformt.  

Je nach Haarbeschaffenheit und gewünschtem Look können die Modellierscheren jedoch ebenfalls zum Ausdünnen der Haare oder zum Schneiden des Grundhaarschnitts verwendet werden, das kann von der Ausgangslage und der Form der Klingen abhängen. Bei dünneren Haaren sollte die Modellierschere allerdings ausschließlich zum Schneiden weicher Übergänge eingesetzt werden.  

Die Modellierschere kommt auch da gelegen, wo natürlich wirkende Schnittkanten und kontrolliertes Volumen gefragt sind. Das ist vor allem der Fall bei weichen Stufenschnitten, bei Herrenkurzschnitten und bei der Gestaltung von Ponyfrisuren.  

Präzisions- und Slicescheren: die hohe Kunst der Klingenführung

Klassische Friseurscheren mit glatten Klingen sind natürlich extrem vielseitig. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn saubere Kanten und exakte Formen gefragt sind, also bei Fassonhaarschnitten, glatten Schnitten oder auch zum Herausarbeiten von bestimmten Details. Es gibt sie in verschiedenen Größen.  

Eine andere Art von glatten Scheren ist die sogenannte Sliceschere: Ihr besonderer Hohlschliff erlaubt ein müheloses Gleiten entlang der Haarsträhnen zum Schneiden und Ausdünnen. Man führt die Schere dabei wie ein Messer entlang der Haarsträhne.  

Die Pflege der Haarschere nicht vergessen  

Qualitätsscheren sind für leichtes, schnelles und präzises Arbeiten unerlässlich. Nur Klingen von hoher Qualität können zudem zwischendurch nachjustiert und ungefähr alle 2 Jahre nachgeschärft werden.  

So liegt es natürlich im Interesse der Friseurinnen, der Friseure und der Salons, die Werkzeuge lange in Schuss zu halten. Zur richtigen Pflege der Friseurscheren gehört daher die tägliche Reinigung, Desinfektion, ggf. das Ölen, die Überprüfung der Gängigkeit sowie selbstverständlich die korrekte Aufbewahrung.

Haarschere schleifen

Zufällig vorbeikommenden Scherenschleifern die ihren Schleifservice an der Haustüre anbieten sollte man auf keinen Fall seine Haarschere anvertrauen. Die Haarschere sollte nur dem Schleifservice, welcher von dem entsprechenden Hersteller autorisiert ist, oder dem Hersteller selbst überlassen werden. Nur dann können Sie sicher sein, dass ihre Schere von geschultem Fachpersonal bearbeitet wird. Nach gründlicher Zustandsprüfung wird dann die Schere demontiert, nachgeschliffen oder mit einem völligen Grundschliff ausgestattet. All die notwendigen Arbeiten werden auf den gleichen mit Lasertechnik ausgerüsteten Präzisionsanlagen durchgeführt mit denen auch die neuen Scheren bearbeitet werden. Bevor die Schere den Schleifservice wieder verlässt, wird sie nochmals auf Schnittweichheit, Vorschub, Gangqualität und Schraubenzustand überprüft.